Blick auf die Gesellschaft

von Ines Sey E-Mail

Vor zwei Tagen saß ich im Zuch von München zu meinen Eltern und las im Bahnmagazin von einem Mobilfilmfestival mit Kurzfilmen, die per Handy gedreht werden und die max. 60 sek lang sind. Ich war sogleich Feuer und Flamme für die Kurzfilme und probierte ein wenige mit meiner Handykamera herum. Man glaubt gar nicht wie zittrig das ganze wird - werd die Filme wohl nicht einfach so drehen können, sondern auf den Computer hochladen und dort schneiden müssen. Dann hab ich darüber nachgedacht, was man so in 60 sek darstellen kann - was würde mich selbst interessieren. Zunächst fiel mir nur ein, dass ich zeigen könnte wie ein Kunstwerk entsteht. Dann dachte ich an Bangkok und Angkor Watt, die ich demnächst besuchen werden - an kleine Guides. Man könnte etwas mit Geschichte hinterlegen. Sogleich übertrug ich die Idee auf München - kleine Tourguides durch München - sozusagen ein kurzer Abriss, was einen in der Stadt erwarten kann. Hab gleich dazu festgestellt, dass ich max. 5 Szenen a 10 sek zeigen kann oder wohl besser sind 3 a 15 sek + Vorspann und Abspann.

Innerhalb dieser ganzen Überlegungen fiel mir auf, wie häufig ich mich in Szene setzte oder meine Neugier befriedigen wollte - auch Kurz-Dokus a la "Sendung mit der Maus" kamen mir in den Sinn. Doch bei alledem fehlte mir irgendwie der Bezug zu meinem Selbstverständnis als Künstlerin, dass ich als ein Spiegel der Gesellschaft funktionieren müsse. Betroffen von dieser Erkenntnis kramte ich alle meine Ideen für Bilder oder bereits fertige Bilder oder Geschichten aus meinem Gedächtnis hervor und erkannte immer wieder meine Stimmungen, meine Gefühle, meine Hilfeschreie, aber eben immer nur meine. Klar, wenn ich der Gesellschaft einen Spiegel vorhalte, ist das natürlich auch wieder meine Sicht auf die Dinge, aber eben auf externe Dinge und nicht nur mich selbst. Warum schreibe ich nicht mal über Bildung oder male darüber - das Thema interessiert mich, ich halte es für den Schlüssel des "Erfolgs" einer Gesellschaft und da läuft wahrlich nicht alles optimal, auch wenn schon viel davon gesprochen wurde. Aber häufig eben nur gesprochen, ohne in die Tat umgesetzt zu werden. Ich glaube, es gibt eine gute Basis für ein Bild... oder für den Rahmen einer Geschichte.

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