Es allen Recht machen

von Ines Sey E-Mail

Brrrh. Ich habe mich gerade so sehr über mich aufgeregt. Dabei war es nur eine Kleinigkeit. Mein Freund hat die Wäsche samt meinen Hemden in den Trockner geworfen. Ich sagte noch, dass ich das für keine gute Idee hatte, weil ich mir das Resultat durchaus gut vorstellen konnte. Doch er meinte, dass dann unsere Putzfrau den nächsten Morgen nicht bügeln könne, weil die Sachen noch nicht richtig trocken sind. Und an dieser Stelle bin ich eingeknickt und hab mich nicht getraut zu sagen, dass ich das erstens nicht glaube und selbst wenn, ist es einfacher, feuchte Hemden zu bügeln als Hemden, die aus dem Trockner kommen. Aber nicht von alledem habe ich gesagt, sondern nur ok. Brrrh.Als die Wäsche dann fertig war, wusste ich, dass es ein Fehler war und wurde wütend, wütend, will ich nichts gesagt habe, wütend, weil ich nie etwas sage in solchen Situationen, sondern immer darauf vertraue, dass er recht hat, so als ob ich selbst kein Hirn hätte. Sicher, häufig hat er Recht, aber auch ohne ihn habe ich durchaus mein Leben gemeistert und bin fähig solche Dinge zu entscheiden und nicht ganz selten habe ich sogar Recht, wie eben und dann ärgert es mich besonders, dass ich meinen Mund nicht aufmache, nur weil ich fürchte, dass er mich wieder belächelt, weil ich fürchte, dass er mich weniger liebt, nur weil ich ihn widerspreche. Ich weiß, dass ist quatsch - zu mindestens, dass er mich weniger lieben wird, dennoch fürchte ich mich davor. Und dass er mich belächelt, und nicht erst nimmt, ist durchaus eine reale Befürchtung.

Na ja. Ich denke, ich werde beiden - bisher erschaffenen - Charakteren diesen Charakterzug oktroyieren. Dann werde ich sie aufeinander treffen lassen und jeweils schon für den anderen vorausdenken lassen, so dass es zunächst zu einigen witzigen Szenen kommt, wo beide aneinander vorbeireden, weil keiner von beiden das ausdrückt, was er im Inneren sich wünscht, sondern nur das, was er glaubt, was der andere will. Das könnte dann so aussehen: A denkt: ach, ich würde heute am liebsten einfach nur faul am Strand rumliegen, aber ich weiß, dass B das nicht mag und dann wirke ich immer so als Looser - außerdem mag sie so gerne Museen. A sagt dann zu B: Hey, ich hab gehört, dass gerade einige Bilder von Monet in der neuen Pinakothek ausgestellt werden, wollen wir nicht dahin gehen. Und sie denkt: ich würde heute am liebsten nur faul am Strand liegen, aber er mag doch so gerne sportliche Aktivitäten und sagt: “Ach, ich würde viel lieber Kart-Fahren und wir können ja noch x und y und z anrufen” und denkt weiter. Ja, dafür wird er mich lieben. Ich kann die drei holen Saufköppe zwar nicht leiden, aber mag sie doch so gerne. Er denkt, och nee, so anstrengend und auch noch die drei holen Saufköppe - die Zeiten sind echt vorbei. Ich weiß gar nicht, was so ein hübsches und gebildetes Mädchen an diesen Grobianen findet und sagt: Cool, klar lass es uns so machen. Sie ärgert sich dann, weil sie den Vorschlag gemacht hat und es ertragen muss, hofft dadurch aber sein Herz zu gewinnen. Er verflucht sich, weil er nicht gesagt hat, was er wollte und tröstet sich, weil er hofft, das sie glücklich ist und ihm dadurch zugetan ist. Dann wird es traurig und irgendwann muss sich das dann auflösen. Weiß noch nicht, wie - vielleicht ein gemeinsamer Freund, dem beide vertrauen oder …

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2 Kommentare

Kommentar from: Ines Sey [Mitglied] E-Mail · http://www.inessey.de
Hallo Ines,

Die Idee der Fremdbestimmung ist m.E. sowohl ein interessanter Ansatz, als auch gerade zu dazu prädestiniert, sie als erstes zu kommentieren. Auf dass sich die Seiten füllen mögen und viele weitere Kommentatoren in’s Boot hüpfen .

Jan studiert also ein ihm unliebsames Fach,da er von der angesehensten Uni, die seine Bewerbung annahm, zu eben diesem “verdonnert” wurde.

Wenn ich ein System annehme, in welchem die Unis durch Tests nach Eignung entscheiden, würde ich weiter annehmen, dass für ihn in mehrerlei Hinsicht Zwang besteht.
Nicht nur dahingehend, die angesehenste Uni zu wählen, weil diese vorranging zum Fach steht, sondern auch und vor Allem, weil ich annehme, dass - ganz gleich, wie unterschiedlich kritisch diese je nach Prestige vorgehen - ihm vermutlich keine Uni grundlegend andere Fähigkeiten zuschreiben wird, als die, an der er studiert.
Andernfalls könnte man dieser Selektion auch Willkür und Sinnlosigkeit attestieren, die lediglich dazu dient, Gelder zu verschwenden und ineffiziente Arbeitsplätze zu schaffen.

Sicher wird er sich im Vorfeld seiner Bewerbung auch die Unis rausgesucht haben, die Fächer anbieten, die ihn interessieren würden, so dass er quasi, um auf ein anderes Fach zu kommen, an welchen bewerben müsste, die ein komplett anderes Profil haben, um nicht wieder im selben Fach zu landen (vielleicht nennt es sich aber immerhin anders ), aber wie nachvollziehbar wäre die Annahme,dass ihn Fächer,die ihn nur interessieren, weil sie der Ausweg aus der Festlegung der Uni wären, zufriedener machen würden?
Ich glaube, wenn die Möglichkeit bestünde, so hätte er bereits bei’m ersten Bewerben die Unis mit diesen Fächern mit im Blick gehabt - gerade in einem System, dass den eigenen Willen derart einschränkt, neigt Mensch m.E. dazu, sich eine größtmögliche Vielzahl an Möglichkeiten zu sichern.

Vermutlich hat er also auch kaum eine Möglichkeit, etwas anderes zu studieren, es sei denn, er pickt sich die Unis im unteren Bereich der Rangliste heraus und hofft darauf, dass diese sich eine solche Selektion nicht leisten können, wenn sie ihre nicht sonderlich hoch angesehenen Studienplätze besetzt kriegen möchten.

Und jeder zukünftige Arbeitsgeber wird genau das wissen:
Er hat entweder etwas studiert, für das ihn keine bessere Uni auf Grund nichtexistenter Fähigkeiten genommen hat, oder aber, er studierte, für was er am Besten geeignet war, aber keine bessere Uni wollte ihn haben, da diese ihre Plätze an Fähigere vergeben haben.

So oder so, er hätte nichts von einem Wechsel zu einer solchen Uni, es sei denn, er möchte mit der Immatrikulation seine lebenslange Arbeitslosigkeit unterschreiben oder sich aber als “ungelernt” in einem anderen Bereich unter Wert verkaufen, vielleicht sogar in jenem, in dem er als studiert seine Butter hätte auf’s Brötchen schmieren können?

(Mal davon abgesehen, glaube ich nicht, dass in einem solchen System wahllos aufnehmende Unis lange überlebensfähig wären.
Wenn man mit ihrem Abschluss nichts anfangen kann,besteht kein Anreiz auf Einschreibung…De facto landen wir wieder bei dem Punkt: keiner würde ihn bei sich etwas anderes studieren lassen)

Wie ist das System nun also beschaffen:
1. Durchweg “Eliteunis”, die allesamt streng selektieren und ihm somit keine Möglichkeit auf einen sinnigen Fachwechsel bieten?
2. Ein Zweiklassenuniversitässystem, was ihm einen angesehenen Abschluss im vermeintlich unangesehenen Fach oder einen definitiv gering angesehenen Abschluss in einem angeseheneren Fach bietet?

Es bestünde natürlich auch die Möglichkeit, dass es mehr Unis gibt, die nicht selektieren, da sie wenig angesehensind, als die, die das System vorgibt, aber dann könnte man ja nicht mehr von System sprechen, sofern ich hier keinem Denkfehler unterliege.
Wie sicher herausgelesen, halte ich von Möglichkeit 2 nicht viel, habe aber sicher auch nicht alles bedacht, was reingehört.

So, mir sind da noch ein paar Dinge eingefallen, aber ich muss ja nicht alles jetzt und in einen Post packen, vermutlich liest sich’s bereits jetzt wirr genug Ausserdem sollst Du ja nicht ewig auf Dein erstes Feedback warten. Und sowieso….Erste!

LG,
Nina

Ps…lass Dir nicht Deine Ideen mopsen, sonst macht jemand Anderes ‘nen Bestseller draus und wird unerträglich berühmt

13.03.08 @ 20:42
Kommentar from: Ines Sey [Mitglied] E-Mail · http://www.inessey.de
Hallo Nina,

vielen Dank für deine Denkanstöße. Als ich mir das System der Auswahl ausdachte, dachte ich weniger an Zweiklassenuniversitätssystem, sondern mehr an ein Kontinuum bzw. an eine klare Positionierung von Universitäten. Im Endeffekt gibt es das ja auch in der realen Welt - insb. USA. Da gibt es einerseits die Forschungsunis, die praktischen Unis und die Spaßunis. Alle haben ihre Berechtigung, auch wenn nicht alle zu den Spitzenpositionen führen. Das kann aber auch kein Unisystem leisten, denn Unternehmen brauchen eine ganze Menge mehr gut ausgebildete Leute und nicht jedem kann ein “Spitzenplatz” angeboten werden. Und nicht jeder will so einen, denn die gehen meistens auch mit einer ganze Menge Mehrarbeit, hoher Verantwortung und Stress einher. Dementsprechend ist so ein “Zweiklassenuniversitätssystem” gar nicht so schlecht, so lange es durchlässig ist und es nicht heißt, “dein Urgroßvater war schon hier, dein Großvater war schon hier, dein Vater war schon hier und hat ein hübsches Sümmchen gespendet…also herzlich willkommen in unserem Etablissement.”

Was es dort nicht gibt, was ich aber spannend finde, ist die Auswahl der Studenten. Klar, suchen sich die Unis ihre Studenten selbst aus, aber keine der Unis geht so weit zu sagen, “hey, bewirb dich bei mir und wenn du gut bist, find ich schon ein Fach, was auf dich passt. du brauchst dich gar nicht mehr mit Studienwünschen beschäftigen - wir lassen dich einfach das studieren, was du am besten kannst und versprechen dir, dass du darin Erfolg haben wirst - keine Prüfungsfrustrationen mehr, denn dir liegt, was wir dir anbieten”.

Freu mich auf weitere Kommentare…

13.03.08 @ 20:50

Der Eintrag hat 2 auf Moderation wartende Feedbacks...

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