Privatssphäre

von Ines Sey E-Mail

In der gestrigen Ausgabe des Wall Street Journals (5. September 2007) befindet sich ein Artikel von Mark Maremont “Scholars Link Success of Firms To Lives of CEOs“. Darin beschreibt er eine Studie, die Hauskäufe sowie der Tod von Familienangehörigen eines CEOs mit der Profitabilität und dem Aktienkurs des von ihm/ihr geleitenden Unternehmens vergleichen. In der Studie wurde herausgefunden, dass der Kauf eines sehr großen Hauses einen negativen Einfluss auf die Unternehmensleistung hat. Dies wird mit der These begründet, dass diejenigen Führungskräfte, die sich ein sehr großes Haus leisten, Freizeit als sehr wertvoll ansehen und sich damit weniger auf die Arbeit konzentrieren. Noch schwerer beeinflusst wird die Leistung durch den Tod eines Familienangehörigen. Allen voran führt der Tod eines Kindes zu einer Underperformance von 20%, während der Tod der Ehefrau noch 15% Leistungsrückgang mit sich bringt. Das zeigt wohl, dass auch die Führungskräfte von Unternehmen “nur” Menschen sind.

Die Frage, die sich automatisch anschließt, ist, ob CEOs demnächst auch zu so öffentlichen Subjekten werden wie Politiker oder Film-/Musikstars. In dem Artikel wird die Frage nicht wirklich beantwortet. Es wird lediglich angebracht, dass viele Investoren keine Skrupel hätten, die Hauskäufe zu recherchieren, während die Suche nach kranken Verwandten als Eingriff in die Privatsphäre betrachtet wird. Ich frage mich dabei jedoch, wieso eine Führungskraft weniger Schutz der Privatsphäre genießen soll als andere Mitglieder der Gesellschaft. Es ist schon so, dass der Vorstand von öffentlichen Unternehmen seine Gehälter offen legen muss. Die meisten Arbeitnehmer würden nicht einmal ihren engsten Freunden mitteilen, was sie verdienen und noch weniger es an die große Glocke hängen. Bei Führungskräften scheint dies jedoch ganz natürlich. Sollen sie nun auch noch darstellen, was sie mit ihrem Geld machen? Will man ihnen irgendwann zumuten, dass sie das Geld, für das sie viel gearbeitet haben zukünftig nicht mehr so konsumieren oder investieren können, wie sie es sich vorstellen, weil der Aufsichtsrat und damit die Anleger fürchten, dass die zukünftige Unternehmensentwicklung und damit der Aktienkurs nicht permanent wächst? Wird es irgendwann so sein, dass man als CEO nicht nur sehr viel arbeitet, sondern komplett sein Leben für ein Unternehmen aufopfert. Was passiert dann, wenn die Führungskraft nicht mehr gebracht wird - hat man dann alles gegeben und kann dann doch nicht glücklich sein, weil man nicht mehr man selbst ist, sondern nur noch eine Marionette der Shareholder? Auch wenn meine Argumentation hier scheinbar anders ausgefallen ist, bin ich kein Gegner des Schareholder Values - im Gegenteil, ich denke, der Markt kann das meiste sehr gut regeln und viele Dinge, die heutzutage “Aufgabe” des Staates sind, wären im Markt besser aufgehoben. Doch man braucht den Staat für eins - Rahmenbedingungen. Diese müssen vom Staat gesetzt und durchgesetzt werden. Dazu gehört auch, dass jeder! Mensch das gleiche Recht auf Privatsphäre hat.

Vielleicht sollte ich das Thema in dem Buch aufgreifen, in dem einer der Charaktere in einem Unternehmen in führender Position arbeitet und jährlich seine kompletten Ausgaben auflisten muss und diese dann veröffentlicht werden. Irgendwie muss das Thema überspritzt dargestellt werden…

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